Univ.-Prof. DDr. Johannes C. Huber

Der chronische Schmerz hat im Fach der Frauenheilkunde deswegen besondere Bedeutung, weil die reproduktiven Vorgänge im Körper der Frau über inflammatorische Zytokine ablaufen, die deswegen den weiblichen Körper auch stärker für Schmerzentstehung prädisponieren. Die Ovulation findet deswegen statt, weil durch den mittelzyklischen Östrogen-Abfall die Interleukine und der TNF- α im Ovar katabole Vorgänge induzieren, welche letztendlich zum Eisprung führen. Gleiches ereignet sich praemenstruell, auch die Monatsblutung wird durch entzündungsähnliche Vorgänge induziert. Gleichzeitig steuern die ovariellen Hormone zahlreiche Mediatoren, welche ebenfalls in die Schmerzentsteheung involviert sein können. So wird die Histaminfreisetzung in Mastzellen - auch intraperitoneal - durch Östrogene stimuliert, was eine Erklärung des "unexplained chronic pain-syndroms" ist.

Aus diesen Gründen ist die Gynäkologie besonders dankbar, wenn sich interdisziplinäre Gruppen bilden, welche für die Schmerzbekämpfung neue Konzepte bilden, die letzten Endes auch der Frauengesundheit von Vorteil sind.

Univ.-Prof. DDr. Johannes C. Huber
Leiter der Klinischen Abt. für Gynäkologische,
Endokrinologie und Sterilitätsbehandlung
Univ.-Klinik für Frauenheilkunde, AKH-Wien