Der chronische Schmerz hat im Fach der Frauenheilkunde
deswegen besondere Bedeutung, weil die reproduktiven
Vorgänge im Körper der Frau über inflammatorische
Zytokine ablaufen, die deswegen den weiblichen Körper
auch stärker für Schmerzentstehung prädisponieren. Die
Ovulation findet deswegen statt, weil durch den
mittelzyklischen Östrogen-Abfall die Interleukine und
der TNF- α im Ovar katabole Vorgänge induzieren,
welche letztendlich zum Eisprung führen. Gleiches
ereignet sich praemenstruell, auch die Monatsblutung
wird durch entzündungsähnliche Vorgänge induziert.
Gleichzeitig steuern die ovariellen Hormone zahlreiche
Mediatoren, welche ebenfalls in die Schmerzentsteheung
involviert sein können. So wird die
Histaminfreisetzung in Mastzellen - auch
intraperitoneal - durch Östrogene stimuliert, was eine
Erklärung des "unexplained chronic pain-syndroms" ist.
Aus diesen Gründen ist die Gynäkologie besonders
dankbar, wenn sich interdisziplinäre Gruppen bilden,
welche für die Schmerzbekämpfung neue Konzepte bilden,
die letzten Endes auch der Frauengesundheit von
Vorteil sind.
Univ.-Prof. DDr. Johannes C. Huber
Leiter der Klinischen Abt. für Gynäkologische,
Endokrinologie und Sterilitätsbehandlung
Univ.-Klinik für Frauenheilkunde, AKH-Wien