Das Schmerzlernen

Klassische Konditionierung

Schmerzverhalten und Schmerzempfinden kann auch erlernt werden. Das Verfahren der "klassischen Konditionierung" führt dazu, dass ein Schmerzpatient Schmerzen empfinden kann, obwohl überhaupt kein Schmerzreiz vorhanden ist.

Beispiel: Pawlow·sche Hunde
Einige kennen vielleicht die Methode der klassischen Konditionierung noch aus der Schule. Das Beispiel sind die Pawlow·schen Hunde. Die Fütterung der Hunde verband Pawlow mit einem Klingelzeichen. Der natürliche Reiz "Futter" verursachte bei den Hunden Speichelfluss. Später, nach mehrfacher Wiederholung, löste schon das Klingelzeichen (neutraler Reiz) den Speichelfluss aus, auch wenn kein Futter angeboten wurde.

Beispiel: Schmerzpatient
Dieser Lerneffekt kann auch bei Schmerzpatienten vorkommen. Durch häufige schmerzhafte Untersuchungen zum Beispiel lernt der Betroffene, dass ein Arztbesuch Schmerzen bereitet. Als Ergebnis empfindet er Schmerzen schon im Wartezimmer oder auf der Fahrt zum Arzt, obwohl er objektiv gesehen noch gar nicht zugefügt wurde. Der Schmerz wird sozusagen schon vorweggenommen. Das führt häufig zu erhöhten Muskelanspannungen und Muskelverspannungen, die selbst wiederum Schmerz auslösen können. Der Effekt verstärkt und erweitert sich. Angst kommt hinzu. Jetzt können schon neutrale Reize, die zu Muskelverspannungen führen, entsprechende Schmerzen auslösen.

Selbstbeobachtung und Schmerzen

Was nimmt der Körper wahr?
Bei der Schmerzempfindung gibt es einen Zusammenhang zwischen der eigenen Körperwahrnehmung, die durch Selbstbeobachtung entsteht, dem Empfinden von Angst und der Stärke der Schmerzen.

Selbstbeobachtung und Schmerzen Bedeutet Schwitzen = Schmerz?
Bei diesem Vorgang ist es wichtig, dass es einen Unterschied gibt zwischen der Wahrnehmung körperlicher Symptome, wie z. B. Schwitzen, muskuläre Anspannung u.ä. und der Wahrnehmung rein physiologischer Abläufe, wie z. B. die erhöhte Körpertemperatur als Antwort auf sportliche Betätigung. Trotz ähnlicher Auswirkungen sind die Ursachen der Veränderungen unterschiedlich.

Fehlinterpretation körperlicher Symptome
Bei Schmerzpatienten besteht meistens eine Überbewertung und auch eine Fehlinterpretation körperlicher Symptome. Er kann diese Unterscheidung nicht mehr eindeutig treffen. Das bedeutet, dass insbesondere bei Symptomen, die nicht eindeutig zugeordnet werden können, diese als schmerzhaft interpretiert werden, obwohl es auch noch andere Möglichkeiten gäbe. Gleichzeitig besteht dann oft ein Mangel, unterschiedliche Reize in der Muskulatur richtig wahrzunehmen und zu verarbeiten.

Auf diese Art kommt ein Schmerzpatient leicht in einen Kreislauf:

  • 1.Der tatsächliche Reiz tritt auf. Vom eigentliche Vorgang der Nozizeption ist hier der affektive (gefühlsmäßige) Anteil gemeint.
  • 2.Der Betroffene nimmt den Reiz wahr, d. h. er wird bewusst. An dieser Stelle kommt es zu der oben beschriebenen Fehlinterpretation. Die Folge davon ist,
  • 3.Der Betroffene bewertet den Reiz als bedrohlich.
  • 4.Diese Bewertung führt zu Angst. Angst kann auf verschiedene Art und Weise sowohl gehemmt, als auch gefördert werden. Beim Schmerzpatienten setzt häufig eine fördernde Strategie der Angstbewältigung, z. B. eine Konzentration auf den Schmerz ein, die sich angstverschärfend auswirkt. Das Empfinden von Angst wirkt sich wiederum auf den affektiven Bereich der Nozizeption aus. Ein Kreislauf ist entstanden, der Schmerz verstärkt sich.

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