Informationen über die Thematik "Schmerz"
Die hier angebotene Information über die Entstehung, Ursache und Bekämpfung von Schmerz ist sehr umfangreich. Verwenden Sie das Inhaltsverzeichnis in der rechten Spalte, um sich über relevante Themen zu informieren.
Vorwort
"Schmerz ist ein unangenehmes Sinnes- oder Gefühlserlebnis, das mit akuter oder potentieller Gewebsschädigung verbunden ist oder mit Begriffen einer solchen Schädigung beschrieben wird." (International Association for the Study of Pain)
Schmerz ist weder eine objektivierbare noch mit herkömmlichen Methoden messbare Sinneswahrnehmung und nimmt daher in der Diagnostik und Therapie eine Sonderstellung ein, welche für den Behandler eine besondere Herausforderung darstellt, da eigene Erfahrungen im Umgang mit Schmerz in der Einschätzung des Schmerzpatienten unbewusst eine wichtige Rolle spielen.
Um in dieser für den Patienten als die persönliche Lebensqualität einschränkenden Situation langfristig befriedigende Erfolgerlebnisse zu erzielen, ist es unerlässlich, durch interdisziplinäre Kooperation zwischen den Fachdisziplinen und optimale Einbindung des Patienten und dessen Angehörigen konkrete Lösungsvorschläge für das Problem Schmerz zu finden.
Schwere, anhaltende, therapeutisch kaum beherrschbare Beschwerden rufen in den Betroffenen Existenzängste auf psychischer, physischer, sozialer und materieller Ebene hervor. Die zunehmend fachspezifisch orientierte Ausbildung überfordert den Mediziner , da sich insbesondere Schmerzpatienten vom Arztbesuch erhoffen, gleichermassen medizinisch, psychologisch und sozial angenommen und betreut zu werden. Diese komplexe Konfrontation mit dem Patienten überfordert den auf Symptome und deren Behandlung fixierten Arzt und führt oftmals zu Distanzierung und mangelndem Verständnis, da seiner Meinung nach der Patient, vom schulmedizinischen Standpunkt aus betrachtet, gut, wenn nicht sogar optimal behandelt ist. Der betroffene Schmerzpatient seinerseits fühlt sich unverstanden und nicht ernst genommen, im schlimmsten Fall als Simulant oder Mimose abgestempelt und es kommt in der Folge zu immer neuen Arztbesuchen. Dies vermittelt dem Patienten nicht selten das Gefühl der Ohnmacht und des Ausgeliefertseins, dazu kommt, dass das Kommunikationsniveau betreffend die Ausdrucksweise und die Interpretation der Befunde und Therapiemöglichkeiten nicht dem Patienten individuell angepasst ist und ein solches Gespräch als "von oben herab" empfunden wird.
Schmerztherapie ist Teamarbeit! Um individuell die jeweils bestmögliche Schmerztherapie herauszuarbeiten bedarf es der Gesprächsbereitschaft, Koordination und Flexibilität aller eingebundenen Berufsgruppen sowie zwischen Spitalsärzten und niedergelassenen Medizinern. In diesem Zusammenhang versteht es sich von selbst, dass der Einzelne nur die Behandlungen vornimmt, mit denen er vertraut ist und die er optimal beherrscht. In der Realität lässt sich jedoch leider immer noch beobachten, dass ein einzelner Behandler seinen Patienten seinem Wissensstand entsprechend solange therapiert, bis er mit seinem Latein am Ende ist, erst dann wird die Meinung eines zweiten Fachmannes hinzugezogen. Dieses Vorgehen ist nicht mehr zeitgemäss, denn nur die gemeinsame Meinungsbildung und ein daraus resultierendes flexibles Konzept mehrerer Disziplinen erhöht die Chance auf einen erfolgreichen Therapieansatz und –verlauf mit dem Ziel der Schmerzlinderung bzw. Schmerzfreiheit.
Der Grossteil der Patienten will möglichst viel über die Schmerzentstehung, dessen Ursachen, Behandlungs- und Heilungsmöglichkeiten erfahren, denn die Vorstellung von nicht oder nur ineffizient therapierbaren Schmerzzuständen löst bei vielen Betroffenen und deren Familien Ängste aus. Versteckte Botschaften in der Kommunikation sollen bewusst angesprochen und die daraus resultierenden Fragen des Patienten situationsbezogen adäquat beantwortet werden (z.B.: "Werde ich nach der Diagnosestellung so weiterleben können wie bisher oder kommen grosse Einschränkungen auf mich zu?"). Der Betroffene erwartet von seinem Therapeuten nicht Allwissenheit, sondern offene Verbalisierung seiner Probleme und nach Möglichkeit auch eine Anleitung zur Selbsthilfe. In den die Therapie begleitenden Gesprächen soll daher immer wieder darauf hingewiesen werden, dass der Erfolg einer Behandlung aktiv unterstützt und beschleunigt werden kann. Patienten sollen ermutigt werden, bei der Behandlung ihrer Schmerzen aktiv mitzuwirken, wodurch die Betroffenen automatisch in die Rolle eines Kotherapeuten "erhoben" werden. Wenn der Patient über Wirkweise und mögliche Nebenwirkungen eines realistischen Behandlungszieles Bescheid weiss und bewusst in die Schmerzbewältigung involviert ist, werden Ängste, Spannungen und nachfolgend auch Schmerzen reduziert. Im Rahmen solcher Therapiegespräche kann es für den Patienten auch hilfreich sein, weiterführende Literatur bzw. Kontakt mit anderen Betroffenen offeriert zu bekommen. Schwierige Lebenssituationen vermitteln den Betroffenen Gefühle der Hilflosigkeit gegenüber der Krankheit und es hat sich gezeigt, dass die gegenseitige Unterstützung Gleichbetroffener hilfreich sein kann. Gruppengespräche über den Umgang mit dem Schmerz, der Austausch persönlicher Schmerzerfahrungen, schmerzbedingter Gedanken und Gefühle und die Erarbeitung und Erreichung gemeinsamer Perspektiven gehören heutzutage zum ergänzenden Repertoire jeder ganzheitlich orientierten Therapie. Derart gestaltete Zusammenkünfte können unter Anleitung eines Fachmannes oder im Rahmen von Selbsthilfegruppen, privat, ambulant oder in stationären Einrichtungen organisiert sein, wobei die Frequenz der Treffen, deren Inhalte und Ziele in der Regel von den Betroffenen selbst festgelegt werden. Durch die Dynamik innerhalb der Gruppe vermitteln die Beteiligten einander vor allem das Gefühl, mit dem Schmerzempfinden nicht allein zu sein, aber auch Verständnis, Geborgenheit, Ansprache und Hilfe und mindern bzw. vermeiden auf diese Weise das Gefühl der drohenden körperlichen und seelischen Isolation. Während dieser Gespräche haben die Betroffenen und auch deren Angehörige die Gelegenheit, offen über ihre veränderte Lebensqualität zu klagen und durch intensiven Meinungsaustausch oder auch durch gemeinsames Schweigen einander Respekt und Verständnis zu zollen. Ebenso haben die Betroffenen als Lobby die Möglichkeit, eine Vorreiterrolle für die Informationsarbeit in der Öffentlichkeit und gegenüber staatlichen Institutionen und dadurch eine aktive Rolle an der Erarbeitung konkreter Problemlösungsvorschläge zu übernehmen. Am Ende dieses Buches sind die Namen und Anschriften einiger Ansprechpartner angeführt, wobei die Auflistung weder einen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, noch in der Reihung eine Wertigkeit darstellt.
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"Schmerz ist das, was die Person beschreibt, die ihn erlebt. Er existiert immer dann, wenn sie es sagt, wobei die Glaubwürdigkeit des Patienten nicht zur Diskussion steht. Schmerz ist, was immer der Betroffene als Schmerz erfährt und beschreibt und durch verbales und nonverbales Verhalten ausdrückt."
Mehr als zwei Drittel aller chronischen Schmerzpatienten werden im Laufe ihrer Erkrankung entweder durch Eigeninitiative oder fachübergreifende Kooperationsbereitschaft des behandelnden Arztes mit einer alternativmedizinischen Heilmethode konfrontiert. All diesen Verfahren liegt ein ganzheitliches Körperverständnis zugrunde, das Symptom "Schmerz" wird als Teil bzw. Ausdruck einer übergeordneten Störung betrachtet. Je nach Weltbild von Arzt und Patient kann aus einem Pool von komplementärmedizinischen Therapien gewählt werden, wobei die gemeinsame grundlegende Philosophie nahezu aller Verfahren die Beschäftigung des Patienten mit sich selbst und seiner individuell gestalteten Behandlungsform darstellt. Der Patient erfährt im günstigsten Fall eine tiefe Entspannung und damit verbunden eine Wiederherstellung der seelischen Dysbalance. Diese Neuorientierung erleichtert es dem Einzelnen, zu sich selbst zu finden und die Gegebenheiten anzunehmen.
"Schmerz ist eine unangenehme sensorische und emotionale Erfahrung, die mit einem bereits geschehenen oder möglichen Schaden verbunden ist, beziehungsweise mit solch einem Schaden erklärt werden kann." (Merskey, 1986)
Schmerz in seiner ursprünglichen akuten Form dient als Schutzmechanismus, da er uns einerseits vor Verletzungen und Krankheiten warnt und damit schützt, andererseits jedoch auch durch Schonung entweder des betroffenen Körperteils oder des Gesamtorganismus bei bereits erfolgtem Schaden wesentlich zu einer möglichst raschen Verbesserung und Heilung beiträgt.
Im Gegensatz zum Akutschmerz steht der chronische Schmerz, der jegliche physiologische Warnfunktion verloren hat und durch die Ausbildung eines Schmerzgedächtnisses der Nervenzellen auch dann noch nachwirkt, wenn der ursächliche Auslösemechanismus längst beseitigt ist. Chronische Schmerzen entstehen dann, wenn die Behandlung von akuten Schmerzen nicht zeitgerecht respektive ausreichend lange erfolgt oder Grundkrankheiten nur ineffizient behandelt werden. Dies kann zu einer solchen Beeinträchtigung der Lebensumstände von Betroffenen und deren Angehörigen führen, dass ihr soziales Gefüge bestehend aus Familie, Freundeskreis und Arbeitsplatz verändert wird, Interessen und Hobbies vernachlässigt werden und die daraus resultierende Isolation, Angst und Depression zu einer weiteren Zerstörung der Persönlichkeitsstruktur des chronisch Schmerzkranken beiträgt. In diesem Fall kann eine effektive Schmerzbehandlung helfen, die Ängste des Patienten zu reduzieren und durch ein individuell angepasstes Behandlungskonzept auch zukünftige übermässig empfundene Schmerzen verhindern.
Statistiken belegen, dass rund zehn Prozent der Gesamtbevölkerung im Laufe ihres Lebens an chronischen Schmerzen leiden, das entspricht in Österreich einer Zahl von zirka 700.000 Betroffenen (!), von denen wiederum jeder Zehnte der Spezialbehandlung eines eigens geschulten Schmerztherapeuten bedarf. In der modernen Medizin stehen uns vielfältige Behandlungskonzepte zur Verfügung, die einzeln oder in Kombination angewandt selbst stärkste Schmerzen deutlich zu lindern in der Lage sind. Vielen Betroffenen ist jedoch noch immer nicht klar, dass sie diese Last nicht stillschweigend erdulden müssen, sondern dass sie ein Recht auf bestmögliche Behandlung haben.
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Am verbreitetsten sind, unseren Lebensumständen und -gewohnheiten entsprechend, Schmerzen im gesamten Bewegungsapparat, angeführt von Rücken-, Nacken- und Gelenkschmerzen (hier vor allem Knie- und Hüftgelenke), die zum Teil ihren Ursprung in einseitiger Belastung, zum Beispiel durch stundenlange Computertätigkeit, falscher, weil zu einseitiger und fettreicher Ernährung und Bewegungsmangel und daraus resultierendem Übergewicht haben. Aber auch Schmerzzustände bei einzelnen Zustandsbildern wie den diversen Kopfschmerzarten (Migräne, Spannungskopfschmerz, Cluster-Kopfschmerz, Schmerzmittel-Kopfschmerz), Rheuma, Arthritis, Fibromyalgien, Gürtelrose (Herpes zoster) sowie immer wiederkehrende Menstruationsbeschwerden sind zu einem ständigen Begleiter vieler Menschen geworden.
In den letzten Jahren hat sich der Trend zu immer jüngeren Schmerzpatienten hin entwickelt, da diese Bevölkerungsgruppe die oft beruflich bedingten stundenlangen Stillhaltephasen mit exzessivem Sport ohne entsprechendes An- und Abwärmtraining in der Freizeit auszugleichen versucht, was langfristig betrachtet ebenfalls zu einer Schädigung des gesamten Bewegungsapparates mit konsekutiven Schmerzerlebnissen einhergeht. Immer häufiger leiden auch Tumorpatienten bedingt durch die Schwere und das Fortschreiten ihrer Grunderkrankung an schweren Schmerzen, die wie alle anderen chronischen Schmerzarten von nicht spezialisierten Medizinern oftmals als "therapieresistent" eingestuft werden, obwohl diese dank neuster Technologien gut beherrschbar sind und daher wesentlich zu einer Steigerung des Wohlbefindens und der Lebensqualität der Betroffenen beitragen können.
Aus der mangelnden universitären Ausbildung der österreichischen Mediziner in Schmerztherapie resultiert die Tatsache, dass die Versorgung auf diesem Gebiet inadäquat ist und viele Betroffene ihre Qualen ertragen, weil sie den Glauben an Linderung, Behandlung und mögliche Heilung verloren haben. Gerade an dieser Stelle ist es jedoch essentiell, darauf hinzuweisen, dass kompetente Hilfe keine Utopie ist und Sie als mündiger Patient in Eigeninitiative jederzeit das Recht auf Überweisung zu einem Spezialisten haben, wenn der bislang behandelnde Arzt keine oder nur ungenügende Kenntnisse auf diesem Terrain vorweisen kann.
Um die genauen Lebensumstände des Betroffenen erfassen und nachvollziehen und darauf aufbauend die Therapie zusammenstellen zu können hat sich die Anlage eines sogenannten Schmerztagebuches in der Praxis bewährt, in dem Sie als Patient über einen gewissen Zeitraum über den Tag verteilt das allgemeine Wohlbefinden, besondere Ereignisse, Symptome und Therapien genau und ausführlich dokumentiert. Sowohl Sie als auch der behandelnde Schmerztherapeut sind dadurch in der Lage, eventuell wiederkehrende auslösende Faktoren des Schmerzgeschehens rasch zu identifizieren und durch die Konstanz der Aufzeichnungen eine Dynamik des Zustandsbildes im Rahmen der Therapie zu dokumentieren, wodurch selbst kleine Erfolge nicht unerkannt bleiben und das Behandlungsziel in immer greifbarere Nähe rückt. Um diese positive Entwicklung zu verstärken sollten Sie sich jedes Mal, wenn Sie Ihrem Ziel einen Schritt näher gekommen sind, eine kleine Belohnung gönnen, denn eine gesunde Balance zwischen Aktivität, Ruhe und Belohnung unterstützt Ihr seelisches Gleichgewicht und verhindert so, dass der Schmerz in Ihrem Tagesablauf die Oberhand gewinnt. Werden Sie Ihr eigener Schmerzmanager!
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